- 29.09.2026
- Zeitschrift für Medizinstrafrecht (medstra)
Aktuelle Entwicklungen der Rechtsprechung zu Aufklärungspflichten
Der Beitrag wertet die neuere Rechtsprechung zu ärztlichen Aufklärungspflichten mit Schwerpunkt auf die Jahre 2024 bis 2026 aus. Im Zentrum stehen fünf aktuelle Entscheidungen, die unterschiedliche Brennpunkte der Selbstbestimmungsaufklärung betreffen: die Mündlichkeit des Aufklärungsgesprächs, die Aufklärung über Behandlungsalternativen, die Medikamenten- und Biosimilaraufklärung sowie die Abgrenzung zwischen Aufklärungs- und Organisationsfehlern. Ergänzend werden oft übersehene, aber für das Verständnis der Entwicklungslinie wichtige Entscheidungen zur hypothetischen Einwilligung und zu medizinstrafrechtlichen Aspekten einbezogen. Die Analyse zeigt, dass die Rechtsprechung keine grundlegende Neukonzeption vornimmt, die dogmatischen Konturen des informed consent jedoch nachschärft: Der mündliche Kommunikationskern wird gestärkt, die Alternativaufklärung bei relativer Indikation verdichtet, Organisationsmängel aus dem Anwendungsbereich des § 630e BGB herausgehalten und Verteidigungslinien über das Konstrukt der hypothetischen Einwilligung enger geführt, wobei Letzteres mit Blick auf Aspekte von Darlegungs- und Beweislast im Zivilrecht nicht auf das Strafrecht übertragbar sein dürfte.
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